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Ich bin hier neu und würde gerne bei euch mitmachen

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    • 17. Dez 2016 23:44
    • Hallo ihr Lieben,

      ich wünsche euch morgen einen schönen 4. Advent.... mit und ohne Glühwein :-))

      Bestimmt kennt ihr diese Apfentgeschichte schon, aber ich lese sie immer wieder gern.

      Apfent, Apfent, der Bärwurz brennt
      von Toni Lauerer

      Der Apfent ist die schönste Zeit vom Winter.
      Die meisten Leute haben im Winter eine Grippe. Die ist mit Fieber.
      Wir haben auch eine. Aber die ist mit Beleuchtung. Und man schreibt sie mit K.

      Drei Wochen bevor das Christkindl kommt, stellt der Papa die Krippe im Wohnzimmer auf
      und meine kleine Schwester und ich dürfen mithelfen.
      Viele Krippen sind dodal langweilig, aber die unsere nicht, weil wir haben mords tolle Figuren drin.
      Ich habe einmal den Josef und das Christkindl auf unseren Ofen gestellt damit sie es schön warm haben.
      Aber es war ihnen zu heiß.
      Das Christkindl ist ganz schwarz g'wordn und den Josef hat's in lauter Trümmer zerrissn. Ein Fuß von ihm ist
      bis in den Plätzlteig geflogen und das war kein schöner Anblick. Meine Mama hat mich geschimpft und gesagt,
      daß nicht einmal die Heiligen vor meiner Blödheit sicher sind. Wenn Maria ohne Mann und ohne Kind in der Krippe herumsteht,
      schaut es nicht gut aus.

      Aber ich habe gottseidank viele Figuren in meiner Spielkiste und der Josef ist jetzt Donald Duck.
      Als Christkindl wollte ich den Asterix nehmen, weil der ist als einziger so klein, dass er in den Futtertrog gepasst hätte.
      Da hat meine Mama gesagt, man kann doch als Christkindl keinen Asterix hernehmen, da ist ja das verbrannte Christkindl noch besser.
      Es ist zwar schwarz, aber immerhin ein Christkindl.
      Hinter dem Christkindl stehen zwei Oxen, ein Esel, ein Nilpferd und ein Brontosaurier.
      Das Nilpferd und den Brontosaurier hab ich hingestellt, weil der Ox und der Esel waren mir allein zu langweilig.

      Links neben dem Stall kommen gerade die Heiligen Drei Könige daher.
      Ein König ist dem Papa im letzten Apfent beim Putzen runtergefallen und war dodal hin.
      Jetzt haben wir nur noch Zwei heilige Könige und einen heiligen Batman als Ersatz.
      Eigentlich wollte ich ja Vier Heilige Drei Könige, doch der Spiderman muss ja im Stall auf die depperten Schafe aufpassn.
      Normal haben die Heiligen Könige einen Haufen Zeug für das Christkindl dabei, nämlich Gold, Weihrauch und Pürree.
      Von den unseren hat einer anstatt Gold ein Kaugummipapierl dabei, das glänzt auch schön.
      Der andere hat eine Marlboro in der Hand, weil wir keinen Weihrauch haben. Aber die Marlboro raucht auch schön, wenn man sie anzündet.
      Der heilige Batman hat eine Pistole dabei. Das ist zwar kein Geschenk für das Christkindl, aber damit kann er es vor dem Saurier beschützen.

      Hinter den Heiligen sind ein paar rothäutige Indianer und ein kaasiger Engel. Dem Engel ist ein Fuß abgebrochen,
      darum haben wir ihn auf ein Motorrad gesetzt, damit er sich leichter tut. Mit dem Motorrad kann er fahren, wenn er nicht gerade fliegt.
      Rechts neben dem Stall haben wir ein Rotkäppchen hingestellt. Sie hat eine Pizza und drei Weizen für die Oma dabei
      und reißt gerade eine Marone ab.
      Einen Wolf haben wir leider nicht. Dafür lurt hinter dem Baum ein Bummerl als Ersatz-Wolf hervor, mehr steht in unserer Krippe nicht.
      Aber das reicht voll. Am Abend schalten wir die Lampe an und dann ist unsere Krippe erst richtig schön. Wir sitzen so herum und singen Lieder vom Apfent.

      Manche gefallen mir, aber die meisten sind mir zu lusert.
      Mein Opa hat mit ein Gedicht vom Apfent gelernt und das geht so:

      "Apfent, Apfent, der Bärwurz brennt.
      Erst trinkst oan, dann zwoa - drei - vier,
      dann hauts'de mit deim Hirn an d'Tür"

      Obwohl das Gedicht ganz schön ist, hat die Mama g'sagt, dass ich es mir nicht merken darf.
      Im Apfent wird auch gebastelt.
      Wir haben eine große Schüssel voll Nüsse und eine kleine voll mit Goldstaub. Darin wälzen wir die Nüsse,
      bis sie goldern sind und das Christkindl hängt sie später an den Christbaum.
      Man darf gar net fest schnaufen, weil der Goldstaub ist dodal leicht und er fliegt überall rum wenn man hineinschnauft.

      Einmal hab ich vorher in den Goldstaub ein Niespulver hineingetan und wie der Papa die erste Nuss dann drin gewälzt hat,
      hat er einen Nieserer gmacht, dass es ihn grissn hat und sein Gsicht war goldern und die Nuss nicht.
      Die Mama hat ihn dann geschimpft weil er keine Beherrschung hat und sie hat gsagt, dass er sich dümmer anstellt als ein Kind.
      Dann war der Papa recht z'wieder und er hat nicht mehr mitgetan. Er hat nur gsagt, dass bei dem Goldstaub irgendwas net stimmt.
      Ich habe mich sehr gefreut, weil es war insgesamtein lustiger Apfentabend.

      Kurz vor Weihnachten müssen wir unsere Wunschzettel schreiben. Meine Schwester wünscht sich meistens Puppen oder sonst ein Glump.
      Ich schreibe vorsichtshalber gleich mehr Sachen drauf und zum Schluss schreibe ich dem Christkindl,
      es soll einfach soviel kaufen, bis das Geld ausgeht.
      Die Mama sagt, das ist eine Unverschämtheit und irgendwann bringt mir das Christkindl gar nix mehr, weil ich nicht bescheiden bin.
      Aber bis jetzt habe ich immer etwas gekriegt.
      Und wenn ich groß bin und ein Geld verdiene, dann kaufe ich mir selber etwas und bin auch überhaupt nicht bescheiden. Dann kann sich das Christkindl von mir aus ärgern, weil dann ist es mir wurscht.

      Bis man schaut ist der Apfent vorbei und Weihnachten aus. Und mit dem restlichen Jahr geht es auch dahin.
      Die Geschenke sind ausgepackt und man kriegt bis Ostern nix mehr, höchstens wenn man Geburtstag hat.

      Aber eins ist Gewiss: Der Apfent kommt immer wieder...
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    • 18. Dez 2016 00:13
    • :))
      Diese Geschichte kannte ich noch nicht, GuteMiene.
      Aber sie ist einfach toll.
      Überlege gerade, ob ich sie vielleicht an unserem Weihnachtsfamilientreffen vorlese.
      Wäre auch mal was ganz anderes.
      Also ruhig her mit den Geschichten und auch Gedichte sind willkommen.
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    • 18. Dez 2016 00:16
    • Einen besinnlichen 4. Advent wünsche ich allen.
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    • 18. Dez 2016 04:01
    • Hallo ihr lieben
      Euch auch einen schönen 4.advent.Gute miene,die geschichte ist ja klasse,kannte ich auch noch nicht.Anco,so ein schöner glühwein ist ja auch was leckeres,vor allem nach ner langen schneewanderung,oder ein heisser kakao mit schlagsahne. Klingt irgendwie so gar nicht nach kallorienzählen,nicht wahr !....
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    • 18. Dez 2016 11:35
    • Schneebedeckt sind Wald und Flur,
      leise schlägt die Kirchturmuhr,
      der Duft von Braten in der Luft,
      in der guten Stube Tannenduft.
      Kerzen, die den Raum erhellen,
      in der Ferne hört man Hunde bellen.
      Menschen, die dich glücklich machen,
      der Raum erfüllt von Kinderlachen,
      vergessen sind jetzt Schmerz und Leid,
      genieß die wundervolle Weihnachtszeit.

      .

      Auch wenn hier eher unangenehmer kalter Nieselregen ist
      wünsche ich euch allen einen gemütlichen Tag in der warmen Wohnung in sanftem Kerzenlicht.

      Danke Püffels, huch, du bist ja früh wach...
      oder wurde es sooo spät? Ich komme zu Zeit ganz schlecht zeitig ins Bett.
      Fast immer ist es Mitternacht, schlafe auch recht unruhig.
      Es treibt mich gerade immer was rum... Das Kalorienzählen ist es nicht...
      So ein heißer Kakao... oh Mann... lange nicht mehr gehabt... aber Glühwein... grins.

      Heute sind wir zum Mittagessen eingeladen... mal schauen wie das ausfällt :))
      Freue mich schon auf einen ruhigen Nachmittag am knisternden Kaminofen.
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    • 18. Dez 2016 22:01
    • Guten Abend,

      Anco, ich habe noch eine Geschichte in meiner Weihnachtsgeschichtenschatztruhe gefunden.... wenn du noch mehr brauchst bitte melden... allerdings habe ich nicht von jeder eine Quellenangabe.

      Mit dieser "kleinen Weihnachtsgeschichte" wünsche ich allen LeserInnen noch ein paar vergnügliche und besinnliche Minuten.


      Hilfe, die Herdmanns kommen

      Die Herdmann-Kinder waren die schlimmsten Kinder aller Zeiten. Sie logen und klauten, rauchten Zigarren (sogar die Mädchen) und erzählten schmutzige Witze...

      Ralf, Eugenia, Leopold, Klaus, Olli und Hedwig - sechs magere, dünnhaarige Kinder, die sich nur dadurch voneinander unterschieden, dass sie verschieden groß waren und an verschiedenen Stellen blaue Flecke aufwiesen, die sie sich gegenseitig beigebracht hatten.
      Sie wohnten über einer Garage im Westend. Die Garage wurde nicht mehr benutzt, nur die Herdmanns benutzten sie dazu, die Tür, so schnell sie konnten, auf und zu zu donnern, wobei sie versuchten, sich gegenseitig einzuquetschen. Das war das, was sie unter Spielen verstanden. Wo andere Leute Rasen in ihrem Vorgarten hatten, lagen bei den Herdmanns Felsbrocken, und wo andere Leute Hortensienbüsche pflanzten, züchteten die Herdmanns Tollkirschen.

      Es gab auch ein Schild im Hof mit der Aufschrift: „Vorsicht, bissige Katze!" Kinder, die neu in der Gegend waren, lachten nur so lange über das Schild, bis sie die Katze zu Gesicht bekamen. Ich habe noch nie ein Tier gesehen, das so bösartig aussah. Die Katze hatte ein kurzes Bein, einen gebrochenen Schwanz und nur ein Auge. Sie war der Grund, warum der Briefträger sich weigerte, den Herdmanns Post zu bringen...

      Anfang Dezember wurde, wie jedes Jahr, mit den Kindern der Sonntagsschule (Kindergottesdienst in den USA) das Krippenspiel für den Weihnachtsgottesdienst vorbereitet. Zum ersten Mal waren die Herdmanns dabei, weil der kleine Charlie ihnen erzählt hatte, da gäbe es Süßigkeiten umsonst. Charlies Mutter war die Leiterin, sie übte das Spiel mit den Kindern ein. Und Charlies große Schwester erzählt, was dabei alles passierte:
      Zuerst wurden die Rollen verteilt. Zum Entsetzen aller meldete sich Eugenia Herdmann als Maria - und niemand wagte zu widersprechen, denn für diesen Fall hatte Eugenia heimlich, aber unmissverständlich schreckliche Strafen angedroht. „Ich will die Maria sein", sagte Eugenia, und dann schaute sie über ihre Schulter nach hinten.

      „Und Ralf möchte der Josef sein."
      „Jawoll", sagte Ralf.
      Mutter starrte sie nur an. Es war wie in einem Kriminalfilm, wo die nette, kleine, alte, grauhaarige Dame einen doppelläufigen Revolver aus dem Handtäschchen zieht, zum Bankbeamten sagt: „Rück den Zaster raus, aber dalli!" und man dasitzt und es einfach nicht glauben kann. Mutter konnte das hier nicht glauben...

      Auch für die Weisen aus dem Morgenland meldete sich niemand außer Leopold, Klaus und Olli Herdmann. Da stand also meine Mutter und hatte ein Krippenspiel am Hals mit lauter Herdmanns in den Hauptrollen. Eine Herdmann und eine Hauptrolle waren noch übrig geblieben, und es bedurfte keiner besonderen Klugheit, sich auszurechnen, dass Hedwig den Verkündigungsengel spielen würde... Normalerweise machte die erste Probe nicht mehr und nicht weniger Spaß als eine dreistündige Fahrt im Schulbus und war mit eben soviel Lärm und Gedränge verbunden. Diese Probe lief anders. Alle waren ruhig und setzten sich gleich hin, weil sie Angst hatten, es könnte ihnen sonst vielleicht entgehen, was die Herdmanns Schreckliches anstellen würden.

      Sie kamen zehn Minuten zu spät und schlenderten in den Raum wie eine Bande Geächteter, die vorhat, einen Saloon leerzuschießen. Als Leopold an Charlie vorbeikam, drehte er ihm das Ohr um, und eine Erstklässlerin schrie auf, als Hedwig an ihr vorbeiging. Aber Mutter hatte gesagt, sie werde alles durchgehen lassen, solange kein Blut floss. Und da weder die Erstklässlerin noch Charlie bluteten, geschah nichts. Mutter sagte: „Hier kommt Familie Herdmann. Wir freuen uns, euch alle hier zu sehen." (Das war sicher die dickste Lüge, die je in einer Kirche laut ausgesprochen wurde.)
      Eugenia lächelte - das Herdmänner-Lächeln, wie wir es nannten, dreckig und gemein -, und dann saßen sie da, fast wie Kriminelle in unseren Augen, und sie sollten nun das Edelste und Schönste darstellen, das es gab. Kein Wunder, dass alle aufgeregt waren.
      Mutter fing an, die Kinder in Hirten und Engel und Herbergsgäste einzuteilen, und schon gab es die ersten Schwierigkeiten.
      „Wer waren denn die Hirten?" wollte Leopold Herdmann wissen. „Wo kamen die her?"
      Olli Herdmann wusste nicht einmal, was Hirten sind.
      „Was ist eigentlich eine Herberge?" fragte Klaus.
      „So was ähnliches wie ein Hotel", erklärte ihm jemand. „Wo Leute übernachten können."
      „Was für Leute?" fragte Klaus. „Jesus?"
      „Nicht zu fassen!" murmelte Alice Wendlaken...

      Die Sache war eben die, dass die Herdmanns nicht das geringste von der Weihnachtsgeschichte wussten...
      Und Mutter sagte, es sei wohl das beste, zuerst einmal die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel vorzulesen. Das waren langweilige Aussichten, denn die meisten von uns kannten die ganze Geschichte vorwärts und rückwärts. Sonst wurde uns immer nur gesagt, wer wir waren und wo wir zu stehen hatte. „... Da machte sich auch Josef auf, dass er sich schätzen ließe, mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die gesegneten Leibes war..."

      „Schwanger", rief Ralf Herdmann.
      Das verursachte ziemliche Unruhe. Die größeren Kinder begannen zu kichern, und die kleineren wollten wissen, was denn so komisch war. Mutter musste mit einem Zeigestock auf den Boden klopfen. „Genug, Ralf!" sagte sie und las weiter vor...
      „Was ist das?" fragten die Herdmanns immer, wenn sie einen Ausdruck nicht verstanden. Als Mutter vorlas, dass kein Platz in der Herberge war, fiel Eugenia die Kinnlade herunter, und sie sprang auf.
      „Verdammt!" sagte sie. „Nicht mal für Jesus?"...
      „Na ja, also..." erklärte Mutter. „Niemand wusste, das das Baby Jesus sein würde."
      „Sie haben gesagt, Maria wusste es", sagte Ralf. „Warum hat sie es denen nicht gesagt?"
      „Ich hätt´s ihnen gesagt", rief Eugenia dazwischen. „Mann, denen hätt´ ich´s vielleicht gesagt!" Was war denn mit Josef los, warum hat der´s nicht gesagt? Dass sie schwanger war und das alles."
      „Wie hieß es, wo sie das Baby reingelegt haben?" fragte Leopold.
      „Diese Krippe... Ist das so ´ne Art Bett? Warum hatten die denn kein Bett im Stall?"
      „Das ist es ja gerade", sagte Mutter. „Sie hatten eben kein Bett im Stall. Also mussten Maria und Josef das nehmen, was sie dort vorfanden.

      Was würdest du denn tun, wenn du ein kleines Baby hättest und kein Bett, um es hineinzulegen?"
      „Wir haben Hedwig in eine Schreibtischschublade gelegt", erklärte Eugenia
      „Siehst du", sagte Mutter und zuckte ein bisschen zusammen. „Ihr habt kein Bett für Hedwig gehabt und habt deswegen auch etwas anderes nehmen müssen."
      „Och, wir hatten schon eins", sagte Ralf. „Aber Olli war noch drin und wollte nicht raus. Er mochte Hedwig nicht." Er puffte Olli in die Seite.
      „Erinnerst du dich, dass du Hedwig nicht leiden konntest?"...
      „Wie dem auch sei", sagte Mutter, „Maria und Josef nahmen die Krippe. Eine Krippe ist ein hölzerner Futtertrog für Tiere."
      „Was waren denn die Bindeln?" wollte Klaus wissen.
      „Die was?" fragte Mutter.
      „Sie haben es doch vorgelesen: Sie wickelten ihn in Bindeln."
      „Windeln", seufzte Mutter. „Früher hat man die Babys fest in große Tücher gewickelt, so dass sie nicht herumstrampeln konnten. Die Babys fühlten sich dabei behaglich und geborgen."
      Ich meinte, dass es die Babys eher verrückt gemacht hat. Bis dahin hatte ich auch nicht gewusst, was Windeln sind. Deshalb war ich gar nicht besonders überrascht, das Eugenia sich darüber aufregte.
      „Sie meinen, sie banden es zusammen und steckten es in eine Futterkiste?" sagte sie. „Wo blieb denn da die Jugendfürsorge?"

      Die Jugendfürsorge kümmerte sich immer um die Herdmanns. Ich wette, wenn die von der Jugendfürsorge jemals Hedwig zusammengebunden in einer Schreibtischschublade gefunden hätten, so hätten sie bestimmt etwas dagegen unternommen!
      „Und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen", fuhr Mutter fort, „und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie, und..."
      „Batman!" schrie Hedwig, warf die Arme auseinander und ohrfeigte dabei das Kind neben ihr.
      „Wie bitte?" fragte Mutter. Mutter las nie Comic-Hefte.
      „Aus dem Dunkel der Nacht erschien Batman, der Rächer der Entrechteten..."
      „Ich weiß nicht, wovon du sprichst Hedwig", sagte Mutter. „Das ist der Engel des Herrn, der zu den Hirten auf dem Feld kommt."
      „Aus dem Nichts?" fragte Hedwig. „Aus dem geheimnisvollen Dunkel der Nacht, ja?"
      „Na ja." Mutter sah etwas unglücklich aus. „Gewissermaßen."

      Hedwig setzte sich wieder hin und sah sehr zufrieden aus. So, als ob das endlich ein Teil der Weihnachtsgeschichte wäre, den sie verstand.
      „Da Jesus geboren war zu Bethlehem im jüdischen Lande", las Mutter weiter, „kamen die Weisen vom Morgenlande gen Jerusalem und sprachen..."
      „Das bist du, Leopold", sagte Ralf. „Und Klaus und Olli. Passt gefälligst auf!"
      „Was bedeutet Weisen?" wollte Olli wissen. „Waren sie so etwas wie Lehrer?"
      „Nein, du Quatschkopf", sagte Klaus. „Das ist so was ähnliches wie der Präsident der Vereinigten Staaten."
      Mutter sah ihn überrascht und beinahe beglückt an, so wie sie geschaut hatte, als Charlie endlich das Einmaleins mit fünf auswendig konnte.
      „Du bist schon ganz nahe dran, Klaus", sagte sie. „Tatsächlich waren es Könige."
      „Jetzt aber weiter", meuterte Eugenia. „Wahrscheinlich werden die Könige dem Wirt gründlich die Meinung sagen und das Kind aus dem Trog holen."
      „Sie fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe."
      „Was ist das für ein Zeug?" wollte Leopold wissen.
      „Kostbare Öle", sagte Mutter, „und wohlriechende Harze."

      „Öl!" schrie Eugenia. „Was für ein schäbiger König bringt denn Öl als Geschenk mit" Da kriegt man ja bei der Feuerwehr bessere Geschenke..."
      Ich konnte die Herdmanns nicht verstehen. Man hätte denken können die Weihnachtsgeschichte käme direkt aus den Polizeiakten des FBI, so gingen sie mit. Sie wünschten dem Herodes ein blutiges Ende, sorgten sich um Maria, die ihr Baby in einen Futtertrog legen musste, und nannten die Heiligen Drei Könige eine Bande schmutziger Spione. Und als sie die erste Probe verließen, diskutierten sie darüber, ob Josef die Herberge hätte anzünden oder ob er nun den Gastwirt über die Grenze hätte jagen sollen...

      Da keiner von den Herdmanns jemals zur Kirche oder zur Sonntagsschule gegangen war und keiner die Bibel oder etwas ähnliches gelesen hatte, hatten sie natürlich keine Ahnung, was man von ihnen erwartete.
      Eugenia, zum Beispiel, wusste nicht, dass die Maria immer in einer bestimmten Weise dargestellt wurde: Ruhig und mild und nicht ganz von dieser Welt. In der Art, wie Eugenia sie spielte, hatte Maria eher Ähnlichkeiten mit Signora Santoro aus der Pizza-Stube. Signora Santoro ist eine große, dicke Frau mit einem kleinen, mageren Mann und neun Kindern. Sie schreit laut und temperamentvoll, umarmt ihre Kinder und schleppt sie mit sich herum. So ungefähr war Eugenias Maria - laut und herrisch.
      „Geh vom Baby weg!" schrie sie Ralf an, der den Josef spielte. Und sie ließ die Heiligen Drei Könige nicht zu nahe kommen.
      „Die Heiligen Drei Könige wollen dem Christkind huldigen", erklärte Mutter zum zehnten Mal. „Sie wollen ihm nichts tun, Gott behüte!"
      Aber die Könige wussten auch nicht, was sie eigentlich tun sollten, und keiner nahm es Eugenia übel, dass sie sie wegschubste. Bei diesen drei Königen hatte man das Gefühl, dass sie auf schnellstem Weg zu Herodes zurückkehren würden, um das Baby zu verraten, aus lauter Bosheit...

      Vier Wochen dauerte die Probe. Dann kam der Heilige Abend mit dem Krippenspiel in der vollbesetzten Kirche.

      ... Wir sangen als Engelchor zwei Verse von „Zu Bethlehem im Stalle", und dann sollten wir das Lied noch ein bisschen weitersummen, während Maria und Josef durch die Seitentür hereinkamen. Nur, sie kamen nicht. Also summten wir und summten und summten, was sehr langweilig und schwierig ist, und nach kurzer Zeit klang es nicht mehr wie ein Lied, sondern eher wie ein alter Kühlschrank.
      „Ich wusste ja, dass so was passieren würde!", flüsterte mir Alice Wendlake zu. „Sie kommen überhaupt nicht. Wir werden weder Maria noch Josef haben. Was sollen wir denn jetzt tun?"
      Ich schätze, wir hätten weitergesummt, bis wir schwarz geworden wären, aber es kam nicht so weit.
      Ralf und Eugenia traten auf, sie waren nur erst nicht durch die Tür gekommen, weil sie sich gegenseitig aus dem Weg schubsten. Eine Minute lang standen sie einfach da, als ob sie nicht sicher seien, dass sie am richtigen Ort waren. Das lag vielleicht an den Kerzen und den vielen Menschen in der Kirche. Sie sahen aus wie die Leute, die man manchmal in der Tagesschau sieht: Flüchtlinge, die irgendwo an einem fremden, kalten Ort wartend herumstehen, umgeben von Pappkartons und Säcken.
      Plötzlich wurde mir klar, dass es der echten Heiligen Familie genauso ergangen sein muss, einquartiert in einem Stall, von Leuten, denen es egal war, was mit ihnen geschah. Sie konnten gar nicht besonders gepflegt und sauber ausgesehen haben. Sicher hatten sie eher so ausgesehen wie diese Maria und dieser Josef. (Eugenias Schleiher hing schief wie gewöhnlich, und Ralfs Haar stand zu allen Seiten ab.)

      Eugenia hatte die Babypuppe bei sich, aber sie wiegte sie nicht in den Armen, wie man es gewohnt war. Sie hatte sie über die Schulter gelegt, und bevor sie sie in die Krippe legte, klopfte sie ihr zweimal auf den Rücken.
      Ich hörte Alice tief Luft holen. Sie puffte mich und flüsterte: „Ich finde es nicht sehr schön, den kleinen Jesus so zu klopfen, als ob er Bauchweh hätte." Sie knuffte mich noch einmal. „Kannst du dir vorstellen, dass er Bauchweh hatte?"
      Ich sagte: „Warum denn nicht." Und ich konnte es mir wirklich vorstellen. Er konnte Bauchweh haben oder unruhig sein oder hungrig, genau wie jedes andere Baby auch. Das war es ja gerade: Dass Jesus nicht auf einer Wolke heruntergekommen war wie eine Märchenfigur, sondern dass er richtig geboren wurde und als Mensch lebte.
      Mittlerweile mussten wir singen „Kommt ihr Hirten". Wir sangen sehr laut, weil es mehr Hirten gab als irgendetwas anderes und sie so viel Lärm machten mit ihren Hirtenstäben, mit denen sie herumfuhrwerkten wie mit Hockeyschlägern.
      Als nächstes kam Hedwig hinter dem Engelchor hervor. Sie schubste die anderen aus dem Weg oder trat ihnen auf die Füße.
      Da Hedwig die einzige war, die in dem Krippenspiel etwas zu sagen hatte, nutzte sie das auch aus. „He! Euch ist ein Kind geboren!" schrie sie, und es klang wirklich wie die beste Botschaft der Welt. Alle Hirten zitterten und fürchteten sich - vor Hedwig natürlich, aber jedenfalls wirkte es gut.
      Dann kamen drei Lieder über Engel. Es dauerte sehr lange, bis die Engel auftraten, weil sie von den Erstklässlern gespielt wurden, die aufgeregt waren, weinten, vergessen hatte, wo sie hingehen sollten, mit ihren Flügeln in der Tür hängen blieben und all solche Sachen.
      Danach hatten wir ein bisschen Ruhe, während die Jungs sangen „Wir sind die Drei Könige..." und die Zuschauer sich umdrehten, um den Auftritt der Heiligen Drei Könige durch den Mittelgang nicht zu verpassen.

      „Was haben die denn da?" flüsterte Alice.
      Ich wusste es nicht. Aber was es auch war, es war jedenfalls schwer. Leopold ließ es fast fallen. Dafür hatte er das Gefäß mit Weihrauch nicht dabei, und Klaus und Olli hatten gar nichts in der Hand, obwohl sie Gold und Myrrhe mitbringen sollten.
      „Ich wusste ja, dass sowas passieren würde", sagte Alice wieder. „Ich wette, es ist was ganz Schlimmes."
      „Was denn zum Beispiel?"
      „Zum Beispiel ein Brandopfer. Du kennst doch die Herdmanns."
      Gut, sie zündeten manchmal Sachen an. Aber das hier war nichts zum Anzünden: Es war ein Schinken. Ich wusste sofort, wo er herkam. Mein Vater war im Kirchenwohltätigkeitsverein, und der verschenkte zu Weihnachten Essenskörbe. Und dieser Schinken hier stammt aus dem Herdmannschen Korb, es war sogar noch das Band daran mit der Aufschrift „Frohe Weihnachten"...

      Während wir sagen „Gold und Weihrauch bringen wir", sollten sich die Heiligen Drei Könige miteinander unterhalten und dann jeder zu einer anderen Tür hinausgehen, damit klar würde, dass jeder einen anderen Weg nach Hause nahm. Aber die Herdmanns hatten das entweder vergessen oder sie wollten nicht, jedenfalls unterhielten sie sich nicht und gingen auch nicht.
      Sie saßen einfach da, und niemand konnte etwas dagegen unternehmen.
      „Sie verderben alles", flüsterte Alice.
      Aber sie taten es ganz und gar nicht. Es war wirklich viel sinnvoller, dass sich die Heiligen Drei Könige hinsetzten und ausruhten. Das sagte ich ihr. „Sie haben einen weiten Weg hinter sich. Man kann nicht von ihnen erwarten, dass sie ankommen, den Schinken abliefern und sofort wieder verschwinden."

      Ich fand, das die Herdmanns nichts verdarben, sondern im Gegenteil das Krippenspiel um vieles verbessert hatten, indem sie einfach das taten, was ihnen logisch erschien.
      Zum Beispiel, dass sie das Baby auf den Rücken klopften und einen Schinken für ein besseres Geschenk hielten als eine ganze Menge parfümierter Öle.
      Gewöhnlich hatte ich, bis wir zu „Stille Nacht, heilige Nacht" kamen (das war immer das letzte Lied), so genug von der ganzen Sache, dass ich das Ende kaum abwarten konnte. Aber diesmal war es anders.
      Ich wünschte fast, das Krippenspiel ginge weiter, nur um zu sehen, was die Herdmanns noch alles anders machen würden.
      Vielleicht würden die Heiligen Drei Könige Maria von der Geschichte mit Herodes erzählen, und sie würden ihnen raten, dass sie zurückgehen und ihm das Blaue vom Himmel herunterlügen sollten. Oder Josef würde mit ihnen zurückgehen und ein für allemal Schluss mit Herodes machen. Oder Josef und Maria würden den Heiligen Drei Königen das Christkind mitgeben, weil sie dachten, dass niemand auf die Idee käme, es bei ihnen zu suchen.

      Ich war so damit beschäftigt, mir immer neue Möglichkeiten auszudenken, wie man das Baby Jesus retten konnte, dass ich den Anfang von „Stille Nacht, heilige Nacht" verpasste. Aber es war weiter nicht schlimm, weil alle mitsangen, auch die Zuschauer. Wir sangen alle Strophen, und als wir zur Stelle kamen „Gottes Sohn, oh, wie lacht...", schaute ich zufällig zu Eugenia hinüber.
      Fast hätte ich mein Gesangbuch auf einen kleinen Engel fallen lassen.
      Jeder hatte die ganze Zeit darauf gewartet, dass die Herdmanns etwas absolut Unerwartetes tun würden. Und nun war es geschehen.
      Eugenia Herdmann weinte.
      Im Kerzenlicht glänzte ihr ganzes Gesicht vor Tränen, und sie machte nicht einmal den Versuch, sie wegzuwischen. Sie saß nur da - die schlimme, schreckliche Eugenia - und weinte und weinte und weinte.

      Es war wirklich das beste Krippenspiel, das jemals bei uns aufgeführt wurde. Das sagte hinterher jeder, aber niemand schien zu wissen, warum es so war. Nach dem Spiel standen die Leute auf dem Vorplatz der Kirche und unterhielten sich darüber, was dieses Jahr anders gewesen sei.
      Jeder sagte, es sei etwas Besonderes dabei gewesen, aber keiner konnte es beschreiben...
      Was aber mich betrifft, so wird Maria immer etwas von Eugenia Herdmann haben, ein bisschen unruhig und verwirrt, aber bereit, jeden zu verprügeln, der ihrem Baby zu nahe treten will. Und die Heiligen Drei Könige werden für mich Leopold und seine Brüder sein, mit einem Schinken in der Hand.

      Als wir an diesem Abend aus der Kirche kamen, war es kalt und klar. Der Schnee knirschte unter unseren Füßen, und die Sterne leuchteten hell, sehr hell. Und ich dachte an den Verkündigungsengel, an Hedwig mit ihren dünnen Beinen und ihren schmutzigen Stiefeln, die unter ihrem Kostüm hervorschauten, an Hedwig, die uns allen zurief: „He, euch ist ein Kind geboren!"

      Quelle:
      http://www.k-l-j.de/kgeschichte_39.htm
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    • 18. Dez 2016 23:31
    • Danke GuteMiene, das ist eine ganz tolle Geschichte
      und ich habe ganz arg viele Minuten gelesen.
      Ach, ich liebe Weihnachtgeschichten... gerne mehr davon..

      Das hier habe ich bei >weihnachten-und-sprüche.de< gefunden:



      Weihnachtsbäume

      Nun kommen die vielen Weihnachtsbäume
      aus dem Wald in die Stadt herein.
      Träumen sie Ihre Waldesträume
      wieder beim Laternenschein?

      Könnten sie sprechen! Die holden Geschichten
      von der Waldfrau, die Märchen webt,
      was wir uns erst alles erdichten,
      sie haben das alles wirklich erlebt.

      Da steh’n sie nun an den Straßen und schauen
      wunderlich und fremd darein,
      als ob sie der Zukunft nicht trauen,
      es muss doch was im Werke sein!

      Freilich, wenn sie dann in den Stuben
      im Schmuck der hellen Kerzen stehn,
      und den kleinen Mädchen und Buben
      in die glänzenden Augen sehn.

      Dann ist ihnen auf einmal, als hätte
      ihnen das alles schon mal geträumt,
      als sie noch im Wurzelbette
      den stillen Waldweg eingesäumt.

      Dann stehen sie da, so still und selig,
      als wäre ihr heimlichstes Wünschen erfüllt,
      als hätte sich ihnen doch allmählich
      ihres Lebens Sinn enthüllt;

      Als wären sie für Konfekt und Lichter
      vorherbestimmt, und es müsste so sein,
      und ihre spitzen Nadelgesichter
      sehen ganz verklärt darein.

      Gustav Falke

      .

      Einen guten Start in die neue Woche!

      GuteNacht
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    • 19. Dez 2016 16:49
    • Hallo ihr lieben
      Gute miene,was für eine schöne weihnachtsgeschichte, Anco,ein nettes gedicht,wobei ich persönlich tannen im wald mit wurzeln lieber mag als geschmückte weihnachtsbäume im wohnzimmer. Essenstechnisch lief es wieder in die falsche richtung letzte woche ,aber na ja,ich genehmige mir mal den weihnachtsbonus. Es ist auf jeden fall toll.dass wir alle noch hier sind und mit vereinten kräften werden wir unser ziel auch erreichen !
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    • 19. Dez 2016 21:54
    • Du hast recht Püffels, auch ich mag Nadelbäume lieber in der Natur.
      Aber für einen Plastikbaum kann und will ich mich nicht entscheiden.
      Dafür steht unser Baum seit Jahren auch für unsere 17 Gäste geschmückt im Wohnzimmer.
      Wenn die Enkel größer sind, werden wir uns wohl auf Zweige beschränken.

      Essenstechnisch läuft bei mir alles aus dem Ruder.
      Jeden Tag beginne ich gut und halte bis Nachmittag oder Abend durch... aber dann...
      Ach ja, ich habe nun fast 3 kg von meinen abgenommenen 7 wieder drauf.
      Biebchen sagt immer, das wäre Flugfett *grins*
      Nun, wenn ich nicht schleunigst gegen steuere wirds Hüft- und Bauchgold...
      ähm... bei mir eher Bauchgold.

      So, nun suche ich noch eine Geschichte raus.
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    • 19. Dez 2016 22:04
    • Zwei Engel
      Zwei reisende Engel machten Halt, um die Nacht im Hause einer wohlhabenden Familie zu verbringen.
      Die Familie war unhöflich und verweigerte den Engeln im Gästezimmer des Haupthauses auszuruhen.
      Anstelle dessen bekamen sie einen kleinen Platz im kalten Keller. Als sie sich auf dem harten Boden ausstreckten,
      sah der ältere Engel ein Loch in der Wand und reparierte es. Als der jüngere Engel fragte warum, antwortete der ältere Engel:
      "Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen."
      In der nächsten Nacht rasteten die beiden im Haus eines sehr armen, aber gastfreundlichen Bauern und seiner Frau.
      Nachdem sie das wenige Essen das sie hatten, mit ihnen geteilt hatten, ließen sie die Engel in ihrem Bett schlafen,
      wo sie gut schliefen. Als die Sonne am nächsten Tag den Himmel erklomm, fanden die Engel den Bauern und seine Frau
      in Tränen. Ihre einzige Kuh, deren Milch ihr alleiniges Einkommen gewesen war, lag tot auf dem Feld.
      Der jüngere Engel wurde wütend und fragte den älteren Engel, wie er das habe geschehen lassen können?
      "Der erste Mann hatte alles, trotzdem halfst du ihm", meinte er anklagend. Die zweite Familie hatte wenig,
      und du ließest die Kuh sterben.
      "Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen",
      sagte der ältere Engel. "Als wir im kalten Keller des Haupthauses ruhten, bemerkte ich, dass Gold in diesem Loch in der Wand steckte.
      Weil der Eigentümer so von Gier besessen war und sein glückliches Schicksal nicht teilen wollte, versiegelte ich die Wand, so
      dass er es nicht finden kann. Als wir dann in der letzten Nacht im Bett des Bauern schliefen, kam der Engel des Todes, um seine Frau zu holen. Ich gab ihm die Kuh statt dessen.
      Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen."
      Manchmal ist das genau das was passiert, wenn die Dinge sich nicht als das entpuppen, was sie sollten.
      Wenn du Vertrauen hast, musst du dich bloß darauf verlassen, dass jedes Ergebnis zu deinem Vorteil ist.
      Du magst es erst bemerken, wenn etwas Zeit vergangen ist...
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    • 20. Dez 2016 05:45
    • Anco, du hast eine sehr schöne Geschichte ausgesucht.

      Ich wünsche uns allen einen ruhigen Dienstag.... vor allen Dingen ohne erneute Schreckensmeldungen.
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    • 20. Dez 2016 20:51
    • Guten Abend Mädels

      heute mal eine süße Geschichte von mir..... und MM-freundlich ist sie auch noch. :-)


      Der Schokoladennikolaus


      Das Papier raschelte. So, wie nur Stanniolpapier es konnte. Anders als Alufolie. Feiner. Knittriger.

      Vorsichtig löste sie das Papier von der Schokolade. Vielmehr: vom Schokoladennikolaus. Sie war kein Papieraufreißer. Das gehörte sich nicht. Dabei machte man es ja kaputt. Als Kind hatte sie das schon so gemacht und das Nikolausstanniolpapier nach dem Auspacken auf dem Tisch platt gedrückt. Dabei hatte sie festgestellt, dass es sich bei dem Nikolausstanniolpapier um ein Viereck handelte. Immer.

      Sie betrachtete den Nikolaus.
      Er lächelte. Grinste sogar. Sah richtig glücklich aus. Seine dicken Backen glühten so, als käme er gerade von draußen herein.
      An einem kalten Wintertag. Er hatte bestimmt gefroren. Und den schweren Sack geschleppt. Und war jetzt endlich drin. In seinem dicken Mantel wurde es ihm bestimmt warm.
      Was für ein Unsinn überhaupt, dass Nikoläuse überall ihren Mantel anlassen. Das macht kein Mensch. Die müssten doch eigentlich auch was drunter haben. Jeans und T-Shirt zum Beispiel. Oder einen schicken Pullover. Aber dieser hier hatte Schokolade drunter, das wusste sie.

      Beste Schweizer Schokolade. Richtig teuer war der gewesen. Vollmilch.
      In einem samtigen Braunton. Süß und lecker. Conchiert, stand auf dem Stanniolpapier.
      Was immer das war. Sie näherte den Nikolaus ihrem Mund. Die Konturen seines Gesichtes waren in die Schokolade eingegossen.
      Die dicken, runden Backen. Die freundlich-blitzenden Augen. Der lachende Mund. Nur in Braun. Aus Schokolade eben.
      Aus conchierter Schokolade.

      Sie öffnete den Mund. Um ihm den Kopf abzubeißen.
      Nein, wie barbarisch!
      Jemandem den Kopf abbeißen! Das ging eigentlich gar nicht!
      Sie schloss den Mund und blickte ihn an. Wenn er nun etwas fühlen würde, während des Abbeißens? Schmerzen?
      Wie fühlte es sich wohl an, wenn einem der Kopf abgebissen wurde? Ein Ziehen?
      So ein Quatsch, schalt sie sich. Das ist ein Stück Schokolade. Das fühlt überhaupt nichts!

      Ja, hielt eine Stimme in ihr dagegen, aber war es nicht trotzdem. . . sagen wir. . .unmoralisch, jemandem,
      und sei es nur einem Schokoladennikolaus aus conchierter Schokolade, den Kopf abzubeißen?

      Der Nikolaus lächelte. Hoffnungsvoll. Fragend. An ihre Menschlichkeit appellierend.
      Nein. Sie konnte es nicht. Sie konnte doch einem alten Mann nicht den Kopf abbeißen.
      Sorgfältig packte sie ihn wieder ein. Das Stanniolpapier raschelte.

      Ach, wenn ich doch auch nur so ticken würde. ;-)

      Eine Kurzgeschichte von Wildis Streng
      http://www.swp.de/crailsheim/lokales/crailsheim/_der-schokoladennikolaus_-eine-kurzgeschichte-von-crailsheimerin-wildis-streng-11383020.html
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    • 20. Dez 2016 21:13
    • Hallo ihr Lieben,

      oh wie schön, GuteMiene!
      So ziehe ich auch heute noch Nikolaus, Weihnachtsmann und Osterhase aus.
      Und... ja, stimmt... es ist immer ein Stanniolviereck... das Papier.
      Nun ja, ich packe diese Schokofiguren nicht wieder ein - aber ich teile immer mit jemand... oder mehreren Jemanden :)))
      und ich fange immer an den Füßen an... den Kopf würde ich niiie abbeißen.
      Aber die Füße... ist auch makaber...
      In dieser Adventszeit habe ich doch tatsächlich noch keinen Nikolaus gegessen, fällt mir gerade so ein :)
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    • 20. Dez 2016 22:12
    • Anco, dann wird's Zeit. :-))

      Ich beginne auch immer an den Füßen....
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    • 20. Dez 2016 22:58
    • GuteMiene, ich freue mich über jedem Tag, an dem ich dieser Versuchung noch widerstehen kann :)
      Jetzt sind die Erdnüsse aktuell :)))

      Ein guts Nächtle allen!
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    • 20. Dez 2016 23:14
    • Noch schnell etwas:

      Unsere 8 jährige Enkelin wünscht sich zu Weihnachten ein Pony.
      Wir hatten bisher zwar immer Brathähnchen,
      aber warum nicht mal was anderes ausprobieren.
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    • 21. Dez 2016 21:21
    • Guten Abend,

      Anco, wohl bekomm´s. :-))

      In Anbetracht dessen, dass wir uns im realen Leben mit Terrormeldungen auseinandersetzen müssen,
      möchte ich euch HIER zum Träumen einladen.

      Nun liebe "LeserInnen" gebt fein acht ich hab euch etwas mitgebracht. (das waren noch Zeiten....)


      Ein Flüstern in der Weihnacht

      „Ein Neuer! Und sogar ganz gut gelungen..", hörte es der Schneemann säuseln. Die Schleier vor seinen Augen lichteten sich.
      Vor ihm saßen zwei Tiere im Schnee, eines ganz schwarz mit Federn und ein etwas kleineres
      mit kurzem, bräunlichen Fell und einem langen, kahlen Schwanz.

      „Är äst än där Tat ein sähr schönäs Äxämplar", krächzte das schwarze Tier.
      „Ob äs sprächän kann?“
      „Ficherlich. Fieh doch, ef hat einen Mund“, erwiderte das Kleinere von einem Pfeifen begleitet
      und deutete auf das steifgefrorene Stück geschwungene Bananenschale, welches man dem Schneemann
      mit zwei Stöckchen am Kopf festgesteckt hatte.

      „Na, ob man damit sprechen kann, wage ich anzuzweifeln“, ertönte eine Stimme von oben.
      „Flüstern vielleicht. Man muss bestimmt näher heran, um ihn zu verstehen“.
      Der Schneemann sah nach oben. Dort saß auf einem Zweig der kahlen Eiche, unter der er stand, eine kleine Gestalt mit schillernden Flügelchen, eingehüllt in ein leicht gräuliches , durchscheinendes Etwas.

      Das schwarze Tier spreizte seine Flügel, flatterte auf die Schulter des Schneemanns, streckte seinen Kopf
      in Richtung Bananenschale und lauschte.
      „Also Äch", erklärte er nach einem kurzen Moment, „bän ein Rabä.
      Das da" - er deutete mit dem Schnabel in Richtung des Felltieres - „äst eine Rattä.
      Die da oben ist eine Schnääfää." „Eine Schneefee! Du solltest dringend an deiner Aussprache arbeiten!", tönte es vorwurfsvoll von oben.
      Wie zur Bekräftigung folgte ein zweimaliges Niesen.

      „Eine ständäg schnäfände Schääfää. Und du solltäst där läber mal ätwas Vernünftäges anzähän äm Wäntär als däsäs flattärndä ...Dängsbums!"
      „Gewand. Es ist ein Gewand aus Elfenseide und als Fee trägt man so etwas eben."
      „Ha! Älfenseide...altä Spännwäbän sänd äs!", grummelte der Rabe.
      „Und für einen Fprachfehler kann niemand etwaf!", fügte die Ratte hinzu.

      „Wie dem auch sei", sagte die Fee, „es ist schon dunkel und ich habe mir noch kein Abendessen besorgt"
      Sie erhob sich schwungvoll in die Luft und wurde jäh zurück gerissen, da sich das Ende ihres Gewandes
      in einer kleinen Astgabel verfangen hatte.
      Die Fee prallte gegen den Stamm des Baumes; das verfangene Ende löste sich und sie plumpste in den Schnee.
      „Mist!“, fluchte die Schneefee, als sie sich wieder aufgerappelt hatte.
      "Blöder Kackmist!"

      „Hast du där Wäh gätan?", fragte der Rabe mehr belustigt als besorgt.
      „Oh, mach Dir keine Forgen", kicherte die Ratte,“fie bekommt öfter einf übergebraten, wenn fie fich an die Honigtöpfe
      und Fuckerdofen der Menfen heranmacht.
      Die halten fie nämlich für..."
      „Es reicht jetzt", unterbrach die Schneefee.
      "Ich hab mir den Flügel gestoßen. Den muß ich wohl etwas schonen", sagte sie und stapfte davon.

      „Äch wärdä auch einmal schauän, ob jämand mär ein par Nüssä auf einä Fänstärbank gälägt hat.
      Äch bän ja bäläbt, weil äch so schräkläch äntällägänt bän", sagte der Rabe und flog davon.

      „Bin ich auch“, murmelte die Ratte zu sich selbst.
      „Intelligent. Aber nicht gerade beliebt bei den Menfen."
      Als sie schon ein Stückchen weit vom Schneemann entfernt war, blieb sie stehen, drehte sich herum,
      hob eine Pfote, rief: „Tfü-hüff!“ und winkte dem Schneemann zu.

      Dieser war schon fast wieder eingeschlafen, schließlich war es sein erster Tag und somit recht anstrengend.
      Schneemänner schlafen ohnehin sehr viel, denn nur herumzustehen und sich die Welt anzusehen war zwar anfangs
      immer recht interessant, aber auf Dauer ein Bisschen langweilig.
      Kämen nicht gelegentlich mal der Rabe oder die Ratte auf einen kurzen Plausch vorbei, dann wäre es nicht nur bisschen langweilig,
      sondern ziemlich öde.

      Die Fee hatte er nur ein paarmal im Baum sitzend bei ihrer Fußpflege beobachten können.
      Eine stetige Veränderung fiel dem Schneemann jedoch auf:
      Von Tag zu Tag schmückten die Menschen ihre Häuser und besonders die Fenster.
      Auch auf einige Bäumchen in den Vorgärten wurden Lichter gesetzt und besonders in der Dämmerung
      und den Stunden nach Sonnenuntergang glitzerte und leuchtete und blinkte es besonders schön.

      „Sä schmückän für Weihnachtän.", erklärte der Rabe, der sich öfter auf die Schulter des Schneemanns setzte,
      weil er meinte, dass dies besonders „maläräsch" aussehe.
      „Das äst ein Fäst. Es gäbt Gäschänke und dä Mänschän ässen drei Tagä lang."
      So vergingen die Tage und Nächte und als der Weihnachtstag gekommen war, trafen sich die Schneefee, der Rabe und die Ratte
      am Baum unter dem der Schneemann stand.

      „Fröhliche Weihnachten!", flötete die Fee,
      „Ich werde uns erst einmal etwas Schönes zu essen besorgen."
      Sie erhob sich in die Luft, sah sich um und erspähte ein halb geöffnetes Fenster, auf das sie sogleich zielstrebig zuflog.

      „Bitte auch etwaf ohne Fokolade, ich bekomme doch so fnell Verftopfung!", rief ihr die Ratte hinterher,
      doch die Fee war bereits durch das Fenster geschlüpft.
      Im selben Moment war ein Kreischen zu hören: „Ihhhh...Ungeziefer! Bäh, igittigitt, ein Riesenvieh!!",
      gefolgt von einem lauten Patsch! Und noch einmal: Patsch!
      „Das wärd wohl nächst", seufzte der Rabe. „Äch holä uns ein paar Nüssä." Mit hochrotem Kopf und außer Atem kehrte die Fee mit ein paar winzigen Bröckchen Zuckerguss zurück. „Tut mir leid, aber das ist alles, was ich ergattern konnte."

      Nachdem die Nüsse verspeist und der Zuckerguss weggelutscht war, verkündete die Fee:
      „So! Und nun mein Geschenk für euch!"
      Sie griff in eine zu einer Tasche geknotete Falte ihres Gewandes und zog ein glitzerndes Häufchen hervor.
      Dieses platzierte sie auf ihrer flachen Hand und pustete hinein, dass der Glitzer umherflog und auf Ratte und Rabe hinunter rieselte.

      „Das ist Feenstaub! Er bringt Glück und ist seeeeeeehr selten!", sagte die Elfe.

      Der Rabe schüttelte sich den Glitzer aus den Federn und beäugte ihn genau.
      „Das äst eine zärrupftä Plastäkgärlandä..", stellte er fest.
      „Naja" , kicherte die Ratte, „wenn ef Glück bringt..."
      Die Ratte überreichte der Fee und dem Raben je eine kleine, von ihr selbst geknabberte moderne Skulptur.
      Der Rabe schenkte der Ratte ein Päckchen Zahnseide und der Schneefee einen Puppenstrickpullover.
      Alle freuten sich sehr über die Geschenke, sangen Lieder und schwatzten und lachten, bis die Ratte feststelle:
      „Oh je..wir haben jemanden vergessen.."
      Mit einer Kopfbewegung nickte sie in Richtung des Schneemanns, der die ganze Zeit schweigend zugesehen hatte.

      Die drei steckten die Köpfe zusammen und tuschelten lange miteinander. Als es bereits dunkel und der Schneemann
      schon etwas traurig eingeschlummert war, machten sie sich auf den Weg.
      Sie schlüpften durch Ritzen, Fenster und Katzenklappen in die Häuser und Kinderzimmer der Menschen und flüsterten den schafenden Kindern leise etwas in die Ohren.

      Fröhliches Glucksen, Kichern und Quietschen holten den Schneemann am nächsten Tag aus seinem Schlummer.
      Viele Kinder rannten umher, spielten Fangen und bewarfen sich mit Schnee. „Hallo...", hörte der Schneemann eine Stimme hauchen.

      Er schaute zur Seite und blickte in zwei wundervoll funkelnde Kronkorken.

      Neben ihm stand ein bezauberndes Scheemädchen mit einer keck zur Seite geschobenen Plastiktüte auf dem Kopf,
      welches die Kinder noch vor Sonnenaufgang gebaut hatten.
      Da freute sich der Schneemann wie der Schneekönig höchstpersönlich und die beiden standen den ganzen Winter beieinander,
      flüsterten und lachten und als der Winter vorüber war und der Frühling kam,
      da schmolzen sie zu einer Pfütze zusammen und verdunsteten glücklich

      (unbekannt)

      Ich wünsche euch noch ein Gut´s Nächtle.
    • 0 0
    • 21. Dez 2016 22:57
    • Da hast du was tolles mit gebracht, GuteMiene.
      Gehts dir auch so: man liest die Geschichten neugierig wie ein Kind?
      So geht es mir immer wieder.

      Ich habe von Theodor Fontane ein Gedichtle:



      Noch einmal ein Weihnachtsfest,
      immer kleiner wird der Rest.
      Aber nehm ich so die Summe,
      alles Grade, alles Krumme,
      alls Falsche, alles Rechte,
      alles Gute, alles Schlechte –
      rechnet sich aus all dem Braus
      doch ein richtig Leben heraus.
      Und dies können ist das Beste
      wohl bei diesem Weihnachtsfeste.



      Guts Nächtle!
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    • 22. Dez 2016 20:11
    • Guten Abend,

      Anco, mir geht das ähnlich. Egal ob ich ein Buch lese, im Theater bin oder ein Konzert besuche.... ich bin dann immer in einer "anderen Welt" und genieße das mir dargebotene mit allen Sinnen.
      Aber wehe, es gefällt mir nicht oder die Musik ist in meinen Ohren total schräg, dann schlägt mir das -im wahrsten Sinne des Wortes- auf den Magen.

      Theodor Fontane spricht mir mit seinem Gedicht aus der Seele. Hast du gut ausgesucht. DANKE!

      Heute habe ich ein kleines Rätsel für euch. Bestimmt erkennt ihr den Text,
      spätestens jedoch nach ein, zwei oder 3 klitzekleinen Gläschen Glühwein. ;-)

      Däsching sru se sno
      in ä wan ors open slai
      ower se fiels wi go lawing al se wai

      Bells on bobteil ring, meiking spirits breit
      wot ä fan it is tu reid änd sing
      ä sleiing song tuneit

      Nun wünsche ich euch noch einen kurzweiligen Abend und viel Spaß beim "rätseln"
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    • 22. Dez 2016 20:52
    • Hallo ihr lieben
      Wo habt ihr nur immer die schönen geschichten her ? In dieser hinsicht fällt mir leider nichts passendes ein. Bin allerdings sowieso eher froh ,wenn der trubel vorbei ist und man sich beim einkaufen nicht durch menschenmassen quetschen muss.Irgendwie kaufen die leute wieder als obs nach weihnachten nichts mehr gibt. Wünsche allen einen schönen abend